Viel Ballbesitz, wenig Klarheit
Im Nachholspiel der NOFV-Oberliga Nord trennten sich Lichtenberg 47 und die SG Dynamo Schwerin mit 0:0. Lichtenberg kontrollierte über weite Strecken das Geschehen, schaffte es jedoch in der ersten Halbzeit nicht, genügend Klarheit und Durchschlagskraft in das eigene Spiel zu bringen. Der schwer zu bespielende Platz verlangte beiden Mannschaften viel ab, spielte jedoch vor allem Schwerin in die Karten, das im kompakten 5-4-1-System tief verteidigte. L47 suchte vergeblich nach Struktur, Präzision und sauberem Ballbesitz; vieles blieb Stückwerk oder wirkte zu umständlich. Bälle versprangen, Dribblings verloren an Fahrt, und die nötige Ruhe vor dem Tor stellte sich nicht ein.
Trotz der holprigen Abläufe erspielten sich die Berliner die besseren Chancen. Bereits in der 7. Minute setzte Christian Gawe ein erstes Ausrufezeichen, als sein Freistoß an die Latte klatschte. In der 18. Minute köpfte Storm in die Arme des gut aufgelegten Schweriner Torhüters Bergtholdt, und Reiniger scheiterte in der 40. Minute ebenfalls per Kopf nach einer Flanke von Millgramm. Schwerin zeigte sich nur einmal gefährlich, als Lokilo nach einem Konter in der 23. Minute abschloss. So ging es torlos in die Kabinen.
Mehr Energie, mehr Druck – aber kein Treffer
Nach der Pause änderte sich das Bild deutlich. Zwar musste Lichtenberg zunächst zwei brenzlige Situationen überstehen, als Lokilo und Kazacoks in der 48. Minute im Strafraum auftauchten, doch anschließend steigerten die Gastgeber die Intensität spürbar. Die Zweikämpfe wurden entschlossener geführt, die Wege in die Tiefe aktiver gesucht, und Lichtenberg fand eine funktionierende Antwort auf die schwierigen Platzverhältnisse.
Da flaches Kombinationsspiel weiterhin wenig Ertrag brachte, nutzte die Mannschaft konsequenter das Mittel der Halbfeldflanken. Mit energischem Nachsetzen und ständiger Präsenz in der gegnerischen Hälfte erzeugte L47 Dauerdruck, der zu gefährlichen Abschlüssen führte. Besonders Gawe boten sich gleich mehrere aussichtsreiche Situationen: In der 52. Minute verfehlte er das Tor nach einer Flanke nur knapp, in der 57. Minute folgte der nächste Abschluss, und in der 65. Minute scheiterte er mit einem fulminanten Freistoß erneut an Bergtholdt, der zum prägenden Akteur der Gäste wurde.
Schwerin verteidigte in dieser Phase mit großem Einsatz und musste sich immer häufiger mit Fouls behelfen, was in Gelben Karten für Akindele, Mohammadi und Schilling mündete. Die Intensität stieg merklich, Lichtenberg drängte immer vehementer auf den Führungstreffer.
Aluminium, Chaos – und ein Torwart im Mittelpunkt
Die letzten Minuten wurden zum Nervenspiel. In der 82. Minute traf Goerlitz per Volleykracher den Pfosten – das zweite Aluminium des Abends aus Lichtenberger Sicht. Fast im Gegenzug boten sich Kazacoks und Akindele zwei gefährliche Konterchancen für Schwerin, die jedoch ungenutzt blieben.
Die größte Möglichkeit des gesamten Spiels hatte Lichtenberg in der 89. Minute: Zunächst jagte Goerlitz den Ball an die Latte, anschließend parierte Bergtholdt seinen Nachschuss aus kurzer Distanz spektakulär, und ein dritter Versuch von Graf strich knapp am rechten Pfosten vorbei. Symptomatisch für das Lichtenberger Abschlusspech. Die Berliner warfen danach in der Nachspielzeit noch einmal alles nach vorn, doch Schwerin verteidigte mit letzter Kraft, rettete das torlose Unentschieden über die Zeit und feierte es nach Schlusspfiff wie einen Sieg. Für den Gastgeber steht am Ende ein frustrierendes Unentschieden, dass einen Rückschlag im Meisterschaftsrennen bedeutet.
Lichtenberg 47: Maximilian Zunker, Sebastian Reiniger, Richard Ohlow (74. Samir Schock Negrete), Luis Millgramm (90. Nils Grießig), Maximilian Storm (90. Cederic Becker), Christian Gawe, John Gruber (69. Hannes Graf), Nick Graupner (46. Markus Goerlitz), Kevin Owczarek, Muhammed Zekiroglou, Paul Krüger
Trainer: Rudy Raab/Nils Kohlschmidt
Dynamo Schwerin: Luca Bergtholdt, Dominik Limprecht, Mario Schilling, Bohdan Kostik (57. Sarwar Osse), Taras Khlan, Vsevolods Camkins, Ahmed Sahwil (57. Randy Dei), Mahdi Mohammadi (74. Hannes Tarnow), Beau Reit (57. Kingsley Akindele), Jevgenijs Kazacoks, Bradley Eyenga Lokilo (86. Marcelino Aires dos Reis)
Trainer: Jano Klempkow
Schiedsrichter: Lucas Leihkauf (Plauen) – Assistenten: Paul Werrmann, Jennifer Steingräber
Tore: Fehlanzeige
Zuschauer: 738 in der HOWOGE-Arena „Hans Zoschke“
Dreimal Alu-Pech – Lichtenbergs Anrennen nach der Pause bleibt unbelohnt
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